Es ist 17:29 Uhr und meine Apple Watch zeigt 3.308 Schritte. Mist. Da ist schon wieder dieses ungute Gefühl, heute nicht genug getan zu haben. Normalerweise wäre das vom Schrittestand her eher Vormittag und nicht früher Abend. An den meisten Tagen komme ich ziemlich selbstverständlich auf meine 10.000 Schritte und mehr. Ich gehe mit den Hunden raus, bin viel unterwegs und meine Watch meldet mir regelmäßig ziemlich zufrieden „Ring geschlossen“. Aber heute ist, alles anders. Und ich merke, wie mich diese Zahl an meinem Handgelenk tatsächlich nervt. 3.308 Schritte. Geht gar nicht! Viel zu wenig.
Das Interessante daran ist, ich weiß es eigentlich besser. Ich weiß, dass ein einzelner ruhigerer Tag überhaupt nichts darüber aussagt, wie aktiv ich grundsätzlich bin. Ich weiß auch, an welchen Stellschrauben ich drehen kann, wenn Bewegung in meinem Alltag dauerhaft zu kurz kommt. Und ich weiß vor allem, wie gut mir Bewegung tut.
Ja, da geht heute noch was. Allein schon deshalb, weil meine Hunde ziemlich wenig Verständnis fürs Rumsitzen haben. Die wollen raus. Also werden aus den 3.308 Schritte dann heute wohl automatisch doch noch ein paar mehr.

Aber vielleicht ist das heute gar nicht der entscheidende Punkt. Ich muss ja heute keine Aufholjagd mehr starten. Ich muss heute auch nicht zwingend die magische 10.000-Schritte-Marke erreichen. Bewegung soll mir gut tun. Sie soll nicht zu einer weiteren Aufgabe werden, bei der ich am Ende des Tages kontrolliere, ob ich mein Soll erfüllt habe.
Ganz nebenbei erinnert mich dieser Tag an etwas, das ich eigentlich längst weiß. Gesundheitsziele sind hilfreich. Zahlen können motivieren und eine Smartwatch kann dabei tatsächlich ein ziemlich guter kleiner Schubsgeber sein.
Aber – sind 10.000 Schritte eigentlich wirklich nötig?
Fakt ist, die 10.000 Schritte sind keine magisch Grenze, unterhalb derer Bewegung nicht zählt und niemand muss sie jeden Tag erreichen. Aber warum habe ich sie dann immer im Kopf?
Die Antwort ist wie so oft Marketing. 10.000 Schritte täglich sind nämlich ursprünglich gar keine wissenschaftlich ermittelte Empfehlung. Mitte der 1960er-Jahre kam in Japan ein Schrittzähler namens „Manpo-kei“ auf den Markt der übersetzt ungefähr „10.000-Schritte-Messer“ hieß. Die schöne runde Zahl war also zunächst vor allem ein ziemlich cleveres Marketingziel und wie man an mir sieht, offenbar ein erfolgreiches. Mehr als 60 Jahre später laufen wir immer noch unseren Schritten hinterher.
Trotzdem mag ich die 10.000 Schritte als Orientierung. Je nach Schrittlänge entsprechen sie ungefähr sieben bis acht Kilometern und sie helfen mir dabei, im Blick zu behalten, wie viel, oder wie wenig ich mich an einem normalen Tag tatsächlich bewege. Denn dass Alltagsbewegung gesundheitliche Vorteile hat, ist gut belegt. Dafür müssen es allerdings nicht zwingend 10.000 Schritte sein. Schon deutlich weniger Bewegung kann einen Unterschied machen und grundsätzlich gilt, jeder zusätzliche Schritt ist besser als keiner. Die 10.000 sind also kein magischer Punkt, an dem Gesundheit plötzlich beginnt.
Also Mädels, ihr müsst deshalb nicht abends noch hektisch durchs Haus marschieren, weil auf der Uhr nur 8.742 Schritte stehen. Habe ich übrigens schon gemacht 🙂
Was mir meine Apple Watch im Alltag bringt
Bei aller Gelassenheit mit den Zahlen. Ich möchte meine Apple Watch im Alltag nicht mehr missen. Für mich ist sie tatsächlich ein ziemlich guter Motivator und das ist jetzt keine bezahlte Werbung! Ich mag es einfach, meine Bewegung im Blick zu haben. Meine Watch erinnert mich daran aufzustehen, wenn ich zu lange gesessen habe, zeichnet meine Aktivitäten und mein Training auf und manchmal ist genau dieser kleine Hinweis am Handgelenk der Anstoß, den ich brauche, um doch noch eine Runde rauszugehen.
Ob es dafür unbedingt eine Apple Watch sein muss? Ganz sicher nicht. Für mich passt sie gut, weil ich ohnehin Apple-Geräte nutze und alles unkompliziert miteinander verbunden ist. Das liebe ich. Wer ein anderes Smartphone nutzt, ist mit einer anderen Smartwatch vielleicht genauso gut oder sogar besser bedient und auch preislich muss es ja nicht gleich eines der teuersten Modelle sein.
Viel wichtiger finde ich, dass die Uhr zu einem selbst passt und genau die Funktionen bietet, die man im Alltag tatsächlich nutzen möchte. Für mich sind das vor allem die Dokumentation meiner Daten, kleine Erinnerungen und dieser Schubs, mich doch noch einmal zu bewegen.
Am Ende ist eine Smartwatch eben ein Werkzeug. Sie kann motivieren und ziemlich hilfreich sein. Laufen muss ich allerdings immer noch selbst.



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